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Tauben

Tauben sind uralte Kulturtiere der Menschen. Sie üben eine besondere Faszination auf Millionen Menschen in der ganzen Welt aus. Sie wirken dadurch neben ihrer Symbolik besonders in der heutigen Zeit Völker verbindend und Frieden stiftend.

Sehr geehrte Sportfreunde,

auf diesen Seiten finden Sie Informationen zur Taubenmedizin. Sie finden Antworten zu den wichtigen allgemeinen und speziellen Fragen der medizinischen Bereiche des Taubensports und zu unserer Praxis.
Und Sie werden immer wieder Informationen finden, die nirgendwo sonst so oder anders beschrieben werden. Aus Erfahrung wissen wir aber, dass viele Züchter wichtige Inhalte überlesen und dann natürlich keinen Nutzen daraus ziehen können. Daher die Bitte: Lassen Sie sich Zeit und lesen Sie gründlich – und…. fragen Sie, wenn es Unklarheiten gibt. Wir hoffen, dass Sie Ihr neu erworbenes Wissen nutzbringend und zum Wohle Ihrer Tiere anwenden werden!

Bitte lassen Sie sich immer einen Termin geben!

Da viele Züchter von weit her kommen, um ihre Tauben untersuchen zu lassen, möchten wir Wartezeiten auf das Nötigste begrenzen. Untersuchungen von Tauben benötigen immer einen Termin, da eine ausführliche Befunderstellung mit Behandlungsvorschlägen immer Zeit erfordert. Im Zeitalter immer neuerer und gefährlicherer Viren liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit darin, Züchter dahin zu bringen, daß sie ihren Bestand ohne Medikamente führen können – auch in der Saison. Die Grundlagen hierfür zu legen erfordert ebenfalls Zeit und Sorgfalt.

 

Rotaviren und Parasiten in nicht gekanntem Ausmaß! - bitte nicht wieder tatenlos aussitzen!

Ich habe in den letzten Jahren immer weniger über Tauben, ihre Krankheiten und wie wir damit auch vorbeugend umgehen sollen geschrieben. Weil ich den oft bestätigten Eindruck hatte und habe, dass kaum ein Züchter noch zuhört. (Ich danke an dieser Stelle all denjenigen, die noch immer zugehört haben!) Die schreiend bunte Reklame- und Internetwelt und über Grenzen und Gesetze hinweg expandierende Belgier haben dazu geführt, dass sehr viele Züchter bereits selber kuren bevor sie, wenn überhaupt, zu uns kommen. Und sie haben mit dazu beigetragen, dass wir die aktuelle sehr schwierige Lage haben, mit so hohen Belastungen durch Krankheitserreger, wie nie zuvor. 

Wir haben es in der Taubenwelt heute mit gleich zwei neuen Situationen zu tun. In der Praxis bespreche ich sie mit jedem Züchter, aber alle anderen sollen hier auch unbedingt kundig sein, um Katastrophen so gut es geht vermeiden zu können:

Das erste Problem - Rotaviren: In Australien gibt es seit 2017 Seuchenzüge durch Rotaviren. Ist ein Schlag betroffen, stirbt innerhalb einer Woche die Hälfte der Tauben - unabhängig vom Alter. Die Australier schlossen zu spät ihre Grenzen. Tauben und Rotaviren gelangten vor allem durch Tribünenflüge in die ganze Welt. Dr. Dennis Rubbenstroth, Virologe und Taubenzüchter aus Freiburg ist sehr zu danken, dass er mit virologischer Akribie und Rat versucht Aufklärung zu schaffen. In Dortmund berichtete er international versammelten Tierärzten ausführlich. Wir und weltweit einige taubenkundige Tierärzte stehen regelmäßig mit ihm in Verbindung. Zusätzlich haben wir über die Monate natürlich eigene wichtige Erfahrungen sammeln können und leider auch müssen und daraus Behandlungskonzepte für betroffene Schläge entwickelt (s.u.).

Rotaviren tauschen ihre DNA untereinander aus. Tauben, die aus der Kabine oder von der Ausstellung zwei oder mehr Rotavirusstämme mitbringen, können Rotaviren mit anderer, möglicherweise gefährlicherer Erbsubstanz entwickeln mit den u.U. vielfach tödlichen Folgen. Diese Fähigkeit der Viren macht es auch schwer, zu sagen ob die australischen Viren schon in Deutschland sind. Dr. Rubbenstroth hat Gen-Anteile von australischen Rotaviren gefunden, aber keine vollständige DNA. Rückwirkend wurden auch in den meisten Lebern von den 2013 auf Jungtierkrankheit untersuchten Tauben Rotaviren gefunden. Ob diese vielleicht damals schon Ursache waren und nicht die lange vermuteten Circoviren oder auch beide gemeinsam (oder noch weitere Viren?), bleibt unklar. Die (für die letzten Jahre) ungewöhnlich aggressiv verlaufenden Jungtierkrankheiten von 2017 und auch schon bei den ersten Runden in 2018 verlustreichen Verläufe sowie die extrem hohen Todesraten bei Rassetauben nach Ausstellungen im letzten Jahr, lassen vermuten, dass die australischen Viren bereits hier sind. Wir haben in den europäischen Beständen vielleicht nur deshalb nicht so extrem schlimme Verläufe weil hier das Taubenleben doch viel enger abläuft und die Tauben und ihre Immunsysteme insgesamt mit diversen Krankheitserregern und eben auch Rotaviren, wenn auch harmloseren als den australischen schon Erfahrungen sammeln konnten. Es ist aber auch möglich, dass australische Verhältnisse uns noch bevorstehen. Aus dieser sehr kurzen Beschreibung mag ein jeder ersehen, dass es nicht vorhersagbar ist, was 2018 und auch in zukünftigen Jahren passieren wird, wenn im April/Mai die Alttauben und im Juli/August die Jungtauben erstmalig in der Kabine ihre Infektionserreger austauschen und vielleicht neu kombinieren...     

Wichtig ist, das Züchter und RV bereit sind zu reagieren und das möglichst der Situation angepasst - flexibel! Das bloße Aussitzen hat schon bei der "normalen" Jungtierkrankheit Millionen Tauben das Leben gekostet.

Was ist zu tun?

Der Züchter kann vorbeugend handeln, da er weiß, dass die Ausbrüche meist nach erstem Kontakt mit fremden Tauben entstehen. Und er muss handeln, wenn die ersten Tauben erkranken. Vorbeugung und Behandlung basieren auf fünf Säulen.

Die fünf Säulen:

1 - Immunsystem stärken, da die Jungtierkrankheit mit Rotaviren und Circoviren und allen übrigen Sekundärerregern das Immunsystem schwächt.

2 - Leber stärken, da die Erreger sich in der Leber vermehren und die Leber massiv belastet wird. Die plötzlichen Todesfälle kurz vorher noch gesund erscheinender Tauben sind fast immer auf ein Leberversagen zurückzuführen.           

3 - Konstitution stärken. Die Erkrankung schwächt die Tiere sehr. Verschiedene Mittel können stärken und aufbauen.

4 - Sekundärerreger behandeln. Es sind verschiedene Bakterienarten, Trichomonaden, Hexamiten, Kokzidien, Würmer - sehr selten Pilze und ihre Toxine. Andere Viren gehören ebenso zu den Sekundärerregern, sind aber bekanntermaßen nicht mit den üblichen Mitteln zu behandeln (siehe Viren direkt behandeln). Bei Rotavirusinfektionen arbeitet das Immunsystem auf  Hochtouren. Das führt dazu, dass wir bei Untersuchungen oft wenig Sekundärerreger finden. Blinde Behandlungen gegen diese können in solchen Fällen schaden. Untersuchungen von Tauben und Kot sind also zu empfehlen, bevor Antibiotika etc. verabreicht werden. 

5 - Viren direkt angehen. Es gibt phytotherapeutische, homöopathische, spagyrische, mineralische Mittel und Pilze, die seit langer Zeit von Ärzten und anderen Heilkundigen bei Infektionskrankheiten und eben auch virusbedingten Infektionen angewendet werden. Diese kann man auch bei Tauben anwenden. Je nach Sekundärerregerbefall und Aggressivität der Viren - evtl. der Virenkombinationen sind diese Mittel mehr oder weniger wirksam. Oft helfen sie sehr gut. Vorbeugend sollten sie ebenfalls immer gegeben werden.

Diese fünf Säulen sollten in jedem Bestand berücksichtigt werden. Man kann es sicher unterschiedlich angehen und vor allem differenziert je nach Problematik. Nach jahrzehntelanger Erfahrung mit den Jungtierkrankheiten haben wir einen Plan, der diese fünf Säulen berücksichtigt.

Die Mittel, die immer zur Anwendung kommen, sind

Virumun (zu 1), 6 ml/Liter 10 Tage

Mariendistelsamen und Kondition 1 (zu 2),  20 Tr./Liter 2-6 Wochen tägl., in der Saison nach Besserung regelmäßig von Sa bis Di.

 Z1-3KIP (zu 5), wie Kondition 1 und damit zusammen zu geben. Z1-3KIP ist die Herstellungsformel. Es gibt noch keinen anderen Namen.

Konstitution stärken (3) geht am besten mit M 28 sport und Kamalyt profi zusätzlich zu den üblichen Programmen. Besonders wichtig bei den Jungtieren, damit sie sich trotz der immensen Belastungen zu gesunden und in späteren Jahren leistungsfähigen Reisetauben auswachsen können.

Die Sekundärerreger werden dem Befall entsprechend behandelt. Wobei immer zu berücksichtigen ist, dass man die extrem belastete Leber nicht noch mehr belastet!      

 

Das zweite Problem - Ca. 10 x mehr Kokzidien und Würmer in der Kabine, als noch vor drei Jahren! Nie zuvor haben wir vor, aber auch während der Saison so viele und so starke Parasitenbefälle gehabt. Und auch nie so viele Züchter, die zum dritten und vierten Mal positive Kotproben hatten. Und schließlich haben wir auch nie so viele sonst sehr gute Züchter gehabt, die aufgrund von Kokzidien und/oder Würmern während der Saison scheiterten.

Die Ursachen sind vielfältig. Das Alter der meisten Züchter führt zu einem sorgloserem Umgang mit der Hygiene. Im Alter werden Menschen auch ängstlicher sagen die Psychologen. Viele Züchter fürchten sich daher heute ihre Schläge während der Kuren auszubrennen. Und offenbar spielen, wie bei anderen Tierarten und dem Menschen auch Resistenzen eine immer größere Rolle.

Besonders schlimm wird es, wenn die Atemwege sich zusätzlich infizieren. 60 Prozent des Immunsystems steckt im Darm. Wenn es nicht mehr ausreichend funktionieren kann, bekommt man weitere Infektionen. Sind die Atemwege gleichzeitig betroffen, benötigen die Tauben mehrere Wochen, um sich wieder zu erholen und an Flügen teilzunehmen.

Die Konsequenz ist zunächst einfach: Häufiges Untersuchen von Kotproben möglichst aller Reiseabteile. In manchen Fällen bedeutet das alle 3 Wochen, in anderen Fällen möglichst jede Woche. Die vielleicht notwendige Behandlung sollte vor allem während der Saison mit kundigen Leuten besprochen werden. Sie ist nicht mehr ganz so einfach und hängt natürlich von Ausprägung und Art des Befalls ab. Wir drängeln uns nicht nach dieser undankbaren, weil manchmal nicht befriedigend lösbaren, Aufgabe. Aber wir beraten Sie bei Bedarf gerne. Allerdings - Bedarf hat bei der aktuellen Parasitenlage nahezu jeder ernsthafte Züchter mit Ambitionen, auch wenn er es bisher nicht vermutet.

Wir wünschen Ihnen gesunde Tauben und ihren Tauben, dass Sie die richtigen Entscheidungen treffen, wenn sie erforderlich werden.

Ihr Praxis Team (7.5.2018)

 

Tierärztliche Praxis
Dr. Matthias Warzecha
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